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Neue Pre-Authentifizierung beim BVB-Ticketvorverkauf: Mehr Kontrolle, weniger Chancen für aktive Fans

Autor: Jonas Christmann 

Borussia Dortmund führt im Mitgliedervorverkauf künftig eine Pre-Authentifizierung ein. Offiziell soll diese Neuerung den Vorverkauf fairer machen, Mehrfachzugriffe verhindern und ein Zeichen gegen den Ticket-Schwarzmarkt setzen. Diese Zielsetzung ist auf dem Papier nachvollziehbar. In der Praxis hat die Änderung jedoch erhebliche Nachteile. Das gilt vor allem für aktive Fans, Fanclubs und regelmäßige Heim- und Auswärtsfahrer. Denn für genau diejenigen, die Woche für Woche Zeit, Geld und Aufwand investieren, wird es künftig deutlich schwerer, überhaupt an Tickets zu kommen, und erst recht an die Tickets, die man als Gruppe tatsächlich braucht.

Was sich konkret ändert

Künftig müssen sich Mitglieder bereits 30 Minuten vor dem Vorverkaufsstart mit der beim BVB hinterlegten E-Mail-Adresse vorab authentifizieren. Anschließend erhalten sie einen sechsstelligen Verifizierungscode per E-Mail, der innerhalb von zehn Minuten eingegeben werden muss. Erst danach gelangt man in den virtuellen Warteraum. Der restliche Ablauf im Ticketshop bleibt anschließend laut BVB unverändert. Formal mag das wie eine kleine technische Anpassung wirken. Tatsächlich verändert sich aber ein zentraler Punkt des bisherigen Vorverkaufs: die Möglichkeit, die eigenen Chancen auf einen frühen Zugang zum Ticketshop durch Vorbereitung und aktives Vorgehen zu erhöhen.

 

Bisher konnte eigenes Engagement die Chancen verbessern

Im bisherigen System war es faktisch möglich, mehrere Warteschlangen zu eröffnen. Wer sich rechtzeitig vorbereitet hat, technisch etwas versiert war und den Vorverkauf ernst genommen hat, konnte auf diese Weise seine Chancen erhöhen, möglichst früh in den Ticketshop zu gelangen und dadurch überhaupt Tickets zu bekommen.

Natürlich war auch das kein Garant. Aber es bedeutete, dass man dem reinen Zufallsprinzip nicht völlig ausgeliefert war. Wer aktiv war, wer sich kümmerte, wer frühzeitig mehrere Warteschlangen öffnete, konnte seine Erfolgsaussichten verbessern. Genau diese Möglichkeit fällt nun weg. Mit der Pre-Authentifizierung ist künftig praktisch nur noch eine erfolgreiche Warteschlange pro Mitglied möglich. Damit wird die Chance, am Ende tatsächlich in den Shop zu kommen und Tickets zu ergattern, deutlich reduziert. Der aktive Einfluss, den man bisher durch Einsatz und Vorbereitung noch hatte, wird weitgehend beseitigt.

Weniger Wettbewerb im Warteraum – aber kein echterAusgleich

Warteschlangen eröffnen kann, werden sich insgesamt weniger künstlich erzeugte Zugänge im Warteraum befinden. Der Wettbewerb um die Plätze im Shop sinkt also im Grundsatz. Das lässt sich nicht bestreiten.

Trotzdem gleicht das den Nachteil für aktive Fans nicht aus. Denn entscheidend ist, dass man bisher eben selbst etwas dafür tun konnte, um die Wahrscheinlichkeit eines Shop-Zugangs zu erhöhen. Diese Einflussmöglichkeit war für viele regelmäßige Stadiongänger ein realer Faktor. Künftig ist man wesentlich stärker auf genau einen einzigen, vorab authentifizierten Zugang und damit auf pures Glück angewiesen. Dass der Warteraum insgesamt „sauberer“ wird, ändert nichts daran, dass die individuelle Chance für engagierte Fans sinkt, gezielt erfolgreich zu sein.

Anders gesagt: Der Wettbewerb wird zwar formell reduziert, aber zugleich wird denjenigen die Möglichkeit genommen, sich durch Einsatz und Vorbereitung einen Vorteil zu verschaffen. Genau das ist aus Fan-Sicht der entscheidende Punkt.

Für Fanclubs wird der Ticketkauf noch schwieriger

Für Fanclubs geht es beim Vorverkauf ohnehin nicht bloß darum, irgendein Ticket zu bekommen. Es geht darum, genügend Tickets für Heim- und Auswärtsspiele zu sichern und im Idealfall auch solche, die gemeinsames Reisen, gemeinsames Stehen und gemeinsamen Support ermöglichen. Genau das wird nun noch schwerer.

Wenn jedes Mitglied nur noch mit genau einem authentifizierten Zugang im Warteraum landet und anschließend per Zufall aufgerufen wird, wird die koordinierte Beschaffung von Tickets für Gruppen weiter erschwert. Fanclubs brauchen keine verstreuten Einzelkarten, sondern eine halbwegs verlässliche Möglichkeit, gemeinsam ins Stadion zu kommen. Diese Möglichkeit wird durch das neue System weiter geschwächt.

Das betrifft Heimspiele, vor allem aber Auswärtsspiele, bei denen Kontingente ohnehin knapp sind und es für aktive Gruppen besonders wichtig ist, gemeinsam an Karten zu kommen.

Mehr Chancen für Gelegenheitsbesucher – weniger für aktiveStadiongänger

System dürfte tendenziell dazu führen, dass häufiger erstmalige oder seltene Stadiongänger an Tickets kommen, während regelmäßige und aktive Fans geringere Chancen haben werden. Denn wenn individuelle Vorbereitung und aktives Vorgehen kaum noch eine Rolle spielen, wird der Zugang zu Tickets stärker nivelliert. Das mag unter dem Schlagwort „Fairness“ zunächst positiv klingen. Tatsächlich bedeutet es aber auch, dass diejenigen, die den Verein regelmäßig zuhause und auswärts begleiten, künftig schlechter gestellt werden als bisher.

Gerade im Auswärtsbereich kann das gravierende Folgen haben. Dort sind die Chancen ohnehin begrenzt. Wenn nun auch noch die wenigen Möglichkeiten entfallen, die Erfolgsaussichten durch Einsatz und Organisation zu verbessern, wird es für aktive Auswärtsfahrer dauerhaft schwieriger, an Karten zu gelangen.

Negative Folgen für den Support im Stadion

und verlässlichen Fanszene. Stimmung und Support entstehen nicht einfach automatisch, sondern durch Menschen, die regelmäßig fahren, sich vorbereiten, Gruppen organisieren und das Stadion mittragen.

Wenn genau diese Fans künftig geringere Chancen auf Tickets haben, ist das objektiv dazu geeignet, den Support des BVB im Stadion negativ zu beeinflussen. Denn wer häufiger nur noch Gelegenheitsbesucher statt aktiver Stammbesucher im Stadion hat, verändert zwangsläufig auch die Struktur auf den Rängen. Das betrifft nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Geschlossenheit, die Verlässlichkeit und die Qualität des Supports; zuhause wie auswärts. Es geht also nicht bloß um eine technische Umstellung im Shop.

Es geht um die Frage, welche Art von Stadionpublikum durch das System künftig begünstigt wird und darum, welche Art von Fanstrukturen dadurch geschwächt wird.

Kampf gegen Schwarzmarkt – richtiges Ziel, falsche Folgen

Selbstverständlich ist es richtig, gegen Ticket-Schwarzmarkt und Missbrauch vorzugehen. Selbstverständlich sollen Tickets bei echten Borussen landen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber die Frage ist, wen diese Maßnahme am Ende tatsächlich trifft.

Denn betroffen sind eben nicht nur dubiose Weiterverkäufer oder missbräuchliche Nutzungen, sondern auch organisierte und aktive Fans, die den Vorverkauf bislang mit großem Aufwand begleitet haben, um überhaupt realistische Chancen auf Tickets zu haben. Wenn der Verein Missbrauch bekämpfen will, dabei aber gleichzeitig die eigenen engagierten Stadiongänger schlechter stellt, dann ist das mindestens kritisch zu bewerten.

Persönliche Einordnung des Autors

Die neue Pre-Authentifizierung schafft mehr Kontrolle, aber nicht automatisch mehr Gerechtigkeit. Für aktive Fans bedeutet sie vor allem, dass eine bisher bestehende Möglichkeit wegfällt, durch eigenes Engagement die Chancen auf einen frühen Shop-Zugang und damit auf Tickets zu erhöhen.

Ja, der Wettbewerb im Warteraum dürfte sinken, wenn Mehrfachzugriffe nicht mehr in bisherigem Umfang möglich sind. Aber dieser Effekt gleicht nicht aus, dass vorbereitete und engagierte Fans nun deutlich weniger Einfluss auf ihre Erfolgschancen haben. Für Fanclubs und regelmäßige Heim- und Auswärtsfahrer ist das eine klare Verschlechterung. Es wird schwerer, genügend Tickets zu bekommen. Es wird schwerer, gezielt die Tickets zu bekommen, die man für gemeinsamen Stadionbesuch und gemeinsamen Support braucht. Und es wird wahrscheinlicher, dass häufiger Gelegenheitsbesucher statt aktiver Stammbesucher an Karten kommen.

Gerade für einen Verein wie Borussia Dortmund, der von seiner aktiven Fanszene lebt, ist diese Entwicklung problematisch. Denn objektiv ist die Neuerung dazu geeignet, den Support des BVB im Stadion negativ zu beeinflussen.

—> Liebe Leser, bitte beachtet, dass dieser Blogeintrag eine persönliche Meinung des Autors zu den neuerlichen Änderungen im Ticketvorverkauf des BVB darstellt und damit keine Tatsachen geschaffen werden sollen!

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Kommentare: 6
  • #1

    Chris (Dienstag, 17 März 2026 12:27)

    Ihr solltet das auf Social Media teilen als FC

  • #2

    J. (Dienstag, 17 März 2026 12:31)

    @Chris, rege ich an, Danke !

  • #3

    Fabian (Dienstag, 17 März 2026 12:36)

    Also der VVK heute hat gezeigt, dass die thematisierte Gefahr sich wohl bestätigt …

  • #4

    Sascha (Dienstag, 17 März 2026 13:26)

    Ich kann die schlechten Erfahrung mit dem neuen Ticketsystem nur bestätigen. Ist halt ein reines Glücksspiel geworden, bei dem für Fanclubs die Chancen ausreichend Tickets für ihre Mitglieder zu bekommen, deutlich niedriger sind. Betroffen sind auch viele aktive Fans, die bereit sind, ihr Herzblut für den BVB zu geben. Die werden nun ersetzt durch Eventfans, die halt im Fanshop noch teueres Geld für ein Trikot in die Kasse spülen. Man könnte vermuten, hier geht es verpackt unter dem Deckmantel der Fairness, vor allem darum, eine weitere Einnahmequelle abzuschöpfen.

  • #5

    Amen (Mittwoch, 18 März 2026 16:05)

    Bitte auch auf Facebook und Instagram teilen, nicht nur die tollen Stadionmomente. Beide Seiten des Fanlebens sind wichtig.

  • #6

    Anton (Sonntag, 19 April 2026 16:37)

    Wahre Worte. Hört man von der aktiven Szene eigentlich zu wenig Kritik, wenn man sich überlegt, gegen was sonst alles demonstriert wird. gerne öfter solche kritischen Artikel! (Spannende Karikatur übrigens!)